Wie die Liebe bleibt – die Gottman-Methode
Wie kommt es, dass zwei Menschen sich einmal so nah waren und sich irgendwann kaum noch erreichen? Warum geraten Paare immer wieder in dieselben Konflikte? Und was unterscheidet Beziehungen, die auch schwierige Zeiten überstehen, von solchen, die daran zerbrechen?
Mit diesen Fragen beschäftigte ich mich während meiner Ausbildung in der Gottman-Paartherapie in Köln. Unter der Leitung von Julie Sharon-Wagschal lernte ich die Arbeit des amerikanischen Psychologen John Gottman und seiner Frau Julie Gottman näher kennen.
Was glückliche Paare anders machen
John Gottman erforscht seit Jahrzehnten, wie Paare miteinander kommunizieren, Konflikte austragen und emotionale Nähe gestalten. Dabei geht es nicht darum, Streit grundsätzlich zu vermeiden. Entscheidend ist vielmehr, wie wir miteinander umgehen, gerade wenn es schwierig wird.
Besonders bekannt sind die vier Kommunikationsmuster, die Gottman als die „vier apokalyptischen Reiter“ bezeichnet: Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern – also der emotionale Rückzug aus dem Gespräch.
Wer kennt das nicht? Ein eigentlich harmloser Satz wird als Vorwurf verstanden, der andere verteidigt sich, die Stimmung kippt. Am Ende sind beide verletzt, obwohl sie sich vielleicht ursprünglich einfach nur mehr Nähe gewünscht haben.
Nähe entsteht im Alltag
Was mich an der Gottman-Methode besonders überzeugt, ist der Blick auf die vielen kleinen Momente einer Beziehung.
Eine liebevolle Geste, echtes Interesse am Tag des anderen, ein aufmerksames Zuhören oder die Bereitschaft, nach einem Streit wieder aufeinander zuzugehen: All das trägt dazu bei, dass Vertrauen und Verbundenheit wachsen können.
Gottman spricht in diesem Zusammenhang von einem emotionalen Beziehungskonto, auf das wir durch positive Begegnungen immer wieder einzahlen können.
Dabei müssen Paare keineswegs in allem einer Meinung sein. Manche Unterschiede bleiben bestehen. Entscheidend ist, ob es gelingt, auch mit diesen Unterschieden respektvoll und zugewandt umzugehen.
Was ich für meine Arbeit mit Paaren mitgenommen habe
In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Paare, die sich lieben und trotzdem den Zugang zueinander verloren haben. Oft haben sich über die Jahre Muster eingeschlichen, die beide verletzen, ohne dass sie es eigentlich wollen.
Die Gottman-Methode bietet hilfreiche Möglichkeiten, solche Dynamiken sichtbar zu machen und neue Formen des Miteinanders zu entwickeln.
Besonders wichtig finde ich dabei einen Gedanken: Eine gute Beziehung entsteht nicht dadurch, dass wir nie streiten oder immer alles richtig machen. Sondern dadurch, dass wir lernen, einander auch in schwierigen Momenten nicht aus dem Blick zu verlieren.
Denn Nähe ist nicht einfach etwas, das wir haben oder verlieren. Sie ist auch etwas, das wir jeden Tag miteinander gestalten.
