Medizinwege durch Mexiko – eine Reise zu uns selbst

2023 führte mich eine besondere Reise nach Mexiko. Gemeinsam mit meinen damals 20-jährigen Zwillingssöhnen Till und Laurits wollte ich die Halbinsel Yucatán entdecken – und zugleich meine Erfahrungen mit traditionellen Zeremoniepflanzen vertiefen.

Schon seit 2020 hatte ich mich mit verschiedenen psychoaktiven Pflanzen und ihren Wirkungen auf unser Bewusstsein beschäftigt, darunter mit Ayahuasca, der syrischen Steppenraute und dem Fliegenpilz, aber auch mit LSD. Erfahrungen, die meinen Blick auf mich selbst und die Welt nachhaltig verändert haben.


Einfach der Nase nach

Wir mieteten ein Auto, trafen unseren Freund Frank aus Guatemala und machten uns gemeinsam auf den Weg. Einen festen Reiseplan hatten wir nicht. Wir entschieden spontan, wohin es als Nächstes gehen sollte, und suchten uns oft erst am Abend eine Unterkunft.

Wir erkundeten die beeindruckenden Zeugnisse der Maya-Kultur, besuchten die Tempelanlagen und Pyramiden von Chichén Itzá und Uxmal und ließen uns von der Geschichte dieser einst so mächtigen Zivilisation faszinieren. Besonders eindrucksvoll waren die monumentalen Bauwerke, die noch heute von einem hoch entwickelten Verständnis für Architektur, Astronomie und Natur zeugen.


Begegnung mit einer anderen Welt

Ein besonderes Ziel unserer Reise war das Camp des Schamanen Oskar. Dort nahm ich an einer Tepezcohuite- und einer Bufo-Zeremonie teil.

Bufo bezeichnet in diesem Zusammenhang das Sekret der Sonora-Wüstenkröte, das den stark psychoaktiven Wirkstoff 5-MeO-DMT enthält. Dieser kann außergewöhnlich intensive Veränderungen des Bewusstseins auslösen.

Spannend finde ich auch, dass der menschliche Körper selbst DMT bilden kann. Es gibt die Hypothese, dass dieser Stoff bei einschneidenden Übergängen wie Geburt und Tod eine Rolle spielt. Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine solche verstärkte Ausschüttung bislang allerdings nicht. Dennoch fasziniert mich der Gedanke, dass unser Bewusstsein möglicherweise noch weitere Dimensionen hat, die wir bisher erst ansatzweise verstehen.

Was ich dort erlebte, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Es war weniger eine Erkenntnis im üblichen Sinne als ein tiefes Empfinden von Verbundenheit. Mit der Natur, mit anderen Menschen, mit allem, was existiert.

Besonders berührt hat mich dabei ein Gedanke: Wenn wir alle miteinander verbunden sind, dann betrifft der Schmerz, den ich einem anderen Menschen zufüge, letztlich auch mich selbst.


Wer ist eigentlich das Ich?

Eine weitere Erfahrung, die mich noch lange nach der Reise beschäftigte: das Empfinden, dass es jenseits meiner Gedanken, Gefühle und meiner Persönlichkeit etwas gibt, das all dies wahrnimmt.

Eine Art stiller Beobachter, der da ist, selbst wenn sich alles andere verändert. Manche nennen ihn Bewusstsein, andere Seele.

Ob man solche Erfahrungen spirituell, philosophisch oder neuropsychologisch betrachtet, ist für mich nicht die entscheidende Frage. Spannender finde ich, was sie in uns bewegen und welche Bedeutung wir ihnen für unser Leben geben.

Die Reise durch Mexiko war für mich deshalb weit mehr als ein Abenteuer mit meinen Söhnen. Sie war auch eine Einladung, meine gewohnte Vorstellung davon, wer ich bin und wie ich mit anderen verbunden bin, noch einmal zu hinterfragen.

Und vielleicht beginnt persönliche Entwicklung genau dort: wo wir bereit sind, unsere vertraute Sicht auf die Welt für einen Moment zu verlassen.

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